Nachlese zum Besuch Kieler Woche am 20. Juni 2015

und der Forschungsinstitute                                                     von Andreas Dänhardt, KKI-Buchholz/Holm-Seppensen

Neben der Mitgliederversammlung im April, dem Bürgerfest im Mai und dem Stadtfest im September ist der Besuch in Kiel im Juni seit Jahren ein fester Bestandteil des KKI-Kalenders. Folgerichtig fuhren denn auch am Samstag, den 20. Juni 2015 ca. 30 KKI-Mitglieder auf Einladung der Kieler Professoren in die schleswigholsteinische Landeshauptstadt, um sich vor Ort über die Forschung zu informieren, die seit nunmehr      23 Jahren von der KKI unterstützt wird. Dass diese Forschung zur Weltspitze gehört, merkt man nicht nur an zahlreichen hochrangigen Publikationen, sondern auch daran, dass die Kieler Wissenschaftler bei der Diagnose von Lymphdrüsenkrebs bei Kindern international führend und gefragt sind. So fand z. B. die Beschreibung dreier neuer Lymphomgruppen jüngst Eingang in die Diagnoserichtlinien der Weltgesundheitsorganisation, einem Standardwerk für Mediziner weltweit.

Professor Reiner Siebert, Leiter des Instituts für Humangenetik, empfing seine Gäste aus der Nordheide im Mikroskopiersaal des Instituts für Pathologie, der durchaus eine „wissenschaftliche“ Atmosphäre verströmte. In seinem Vortrag über „verwaiste Lymphome“ hob Professor Siebert die Bedeutung der Unterstützung durch die KKI hervor, seltene Formen von Krebserkrankungen zu erforschen. Diesen Krebsformen fehlt infolge vergleichsweise geringer Fallzahlen ein wichtiger Erforschungsimpuls (sie „verwaisen“), was die KKI-Förderung zur ihrer Erforschung und Behandlung umso wichtiger macht.

Frau Rabea Wagener gab anschließend eine Übersicht über Ihre Forschung über das Burkitt-Lymphom, bei dem ein Gendefekt die Balance zwischen Zellwachstum (Onkogen) und dessen Kontrolle (Tumorsuppressor-Gen) stört. Hierbei spielt offenbar eine Vertauschung von Genen zwischen zwei Chromosomen (Trägern der Erbsubstanz im Zellkern) eine zentrale Rolle. Im Rahmen ihrer vom KKI-Christoph-Schubert-Forschungsstipendium geförderten Doktorarbeit hat Frau Wagener einen biochemischen Mechanismus bei der Steuerung des Zellwachstums identifiziert, der medikamentös beeinflusst werden kann. Ihre Forschungsergebnisse wecken die Hoffnung, betroffenen Patienten auch ohne Chemotherapie helfen zu können.

In seinem gewohnt anschaulichen und unterhaltsamen Vortrag ging Professor Wolfram Klapper, Leiter der Sektion für Hämatopathologie, der Frage nach, ob Lymphome vielleicht gar nicht so schlimm sind. Der menschliche Organismus verfügt über mehr als genug Lymphknoten, ihr An- und Abschwellen ist als Ausdruck der Immunabwehr normal. Bei Krebserkrankungen des Lymphsystems wachsen die Lymphknoten jedoch unkontrolliert und können dadurch auf umliegende Organe und Gewebe drücken. Zudem senden Lymphome falsche Botenstoffe, sogenannte Cytokine aus. Dieser vom Lymphom ausgelöste „Cytokinsturm“ führt dazu, dass das Immunsystem sich gegen sich selbst richtet, was Professor Klapper eindrucksvoll anhand einer Mikroskopaufnahme illustrierte, auf der eine körpereigene Fresszelle ein rotes Blutkörperchen vertilgt.

Nach einer regen Diskussion über die Vorträge wurden den KKI-Mitgliedern mit der Mikrodissektion, Mikroskopie, dem Mikroskopscanner und der Bildanalyse vier zentrale Arbeitsbereiche der Pathologen vorgeführt. Die Mikrodissektion ist ein Verfahren zur Herstellung von Gewebepräparaten, die mit der mikroskopischen Betrachtung auch kleinster Zellstrukturen z. B. die Unterscheidung zwischen Lymphknoten gestatten, die lediglich infolge einer Entzündungsreaktion oder durch eine Krebserkrankung vergrößert sind. Die Digitalisierung solcher Schnitte mit einem  Mikroskopscanner gestattet eine umfassende Bildanalyse, wodurch die Gewebe detailliert beschrieben und identifiziert werden können. Eine fundamentale Voraussetzung für die Einleitung der richtigen Therapie.

Die vielfältigen Eindrücke aus der Welt der Forschung wurden zusammen mit einem reichhaltigen Mal im Garten von Frau Professor Mettler verdaut, die sich einmal mehr als herzliche Gastgeberin erwies. Bei einem gemütlichen Plausch und einem wunderbaren Blick auf die Kieler Förde oberhalb der Kieler Woche mochte sich bei den KKI-Mitgliedern sicherlich eine tiefe Zufriedenheit eingestellt haben – über den Moment, aber auch über ihr ehrenamtliches Engagement.